Einordnung · Datenbasis PKS (BKA) und Destatis
Migration und Kriminalität: Zahlen richtig lesen
Ausländer sind in der Kriminalstatistik überrepräsentiert: Ihr Anteil an den Tatverdächtigen ist deutlich höher als ihr Anteil an der Bevölkerung. Das ist belegbar. Genauso belegbar ist, was die Statistik zählt und was nicht. Wer nur eines von beidem erzählt, verzerrt das Bild. Hier steht beides, jede Zahl mit Beleg zum Nachklicken.
Drei Dinge, die man wissen muss, bevor man die Zahlen liest
1. Tatverdächtig heißt nicht verurteilt
Die PKS zählt Menschen, die die Polizei am Ende ihrer Ermittlungen einer Straftat verdächtigt. Ob jemand wirklich schuldig ist, entscheidet danach ein Gericht: Ein Teil der Verfahren wird eingestellt, ein Teil endet mit Freispruch. Gezählt wird sogar, wer gar nicht verurteilt werden kann, zum Beispiel Kinder unter 14 Jahren.PKS 2025 · S. 74PKS 2025 · S. 7
2. Serientäter zählen nur einmal
Begeht eine Person im selben Jahr zehn Diebstähle, stehen in der Fallzahl zehn Fälle, bei den Tatverdächtigen aber nur eine Person („echte Tatverdächtigenzählung“, bundesweit seit 2009). Fallzahlen und Personenzahlen darf man deshalb nie verwechseln oder gegeneinander teilen.PKS 2025 · S. 74
3. Nur angezeigte Taten stehen in der Statistik
Die PKS zeigt das „Hellfeld“: Taten, die der Polizei bekannt wurden. Was niemand anzeigt, fehlt (das „Dunkelfeld“). Zeigen Menschen mehr an oder kontrolliert die Polizei stärker, steigen die Zahlen, ohne dass es mehr Kriminalität geben muss. Auch andersherum gilt das.PKS 2025 · S. 6
Die wichtigsten Zahlen 2025
| Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 | Wert | Beleg |
|---|---|---|
| Erfasste Fälle | 5.508.559 | PKS 2025 · S. 9 |
| Tatverdächtige insgesamt | 2.054.855 | PKS 2025 · S. 11 |
| davon ohne deutsche Staatsangehörigkeit | 823.609 (40,1 %) | PKS 2025 · S. 11PKS 2025 · S. 45 |
| Nichtdeutsche ohne ausländerrechtliche Verstöße | 677.951 (35,5 %) | PKS 2025 · S. 11PKS 2025 · S. 46 |
| Aufklärungsquote | 57,9 % | PKS 2025 · S. 9 |
| Ausländeranteil an der Bevölkerung (Ende 2025) | 14,9 % | Destatis |
Ein Klick auf einen PKS-Beleg öffnet die Originalseite des Berichts direkt daneben, mit markierter Fundstelle.
Sind Ausländer überrepräsentiert? Ja. Und so liest man das richtig.
2025 hatten 823.609 Tatverdächtige keinen deutschen Pass, das sind 40,1 % aller TatverdächtigenPKS 2025 · S. 45. Der Anteil der ausländischen Bevölkerung in Deutschland liegt bei 14,9 %Destatis. Diese Lücke ist real und lässt sich nicht wegdiskutieren. Um sie richtig zu verstehen, gehören aber vier Punkte dazu:
- Delikte, die fast nur Ausländer begehen können: Unerlaubte Einreise und unerlaubter Aufenthalt sind Straftaten, die sich praktisch nur ohne deutschen Pass begehen lassen. 2025 waren bei diesen ausländerrechtlichen Verstößen 176.282 von 177.397 Tatverdächtigen NichtdeutschePKS 2025 · S. 41. Rechnet man diese Delikte heraus, sinkt der nichtdeutsche Anteil an allen Tatverdächtigen auf 35,5 %PKS 2025 · S. 46.
- Zähler und Nenner passen nicht zusammen: Touristen, Durchreisende, Pendler und Menschen ohne legalen Aufenthalt können tatverdächtig werden, zählen aber nicht zur gemeldeten Bevölkerung. Sie stehen also oben im Bruch, fehlen aber unten. Das macht Pro-Kopf-Vergleiche für Nichtdeutsche automatisch schlechter, als sie sind. Das BKA weist selbst darauf hinPKS 2025 · S. 71PKS 2025 · S. 69.
- Die Gruppen sind verschieden zusammengesetzt: In der ausländischen Bevölkerung ist der Anteil junger Männer höher, und junge Männer sind in allen Bevölkerungsgruppen häufiger tatverdächtig. Dazu kommen laut BKA Risikofaktoren wie eigene Gewalterfahrungen und nachteilige Wohn- und LebensbedingungenPKS 2025 · S. 50. Man vergleicht also nicht zwei gleich zusammengesetzte Gruppen.
- Die Lücke verschwindet dadurch nicht: Auch ohne ausländerrechtliche Verstöße stehen 35,5 % Anteil an den Tatverdächtigen einem Bevölkerungsanteil von 14,9 % gegenüber. Seriöse Einordnung heißt nicht, die Überrepräsentation wegzurechnen, sondern zu erklären, woraus sie sich zusammensetzt.
Und wie viele werden wirklich verurteilt?
Verurteilungen zählt nicht die Polizei, sondern die Justiz: in der Strafverfolgungsstatistik des Statistischen Bundesamts. 2024 wurden in Deutschland 632.115 Personen rechtskräftig verurteiltDestatis, PM 452/2025, davon 257.804 ohne deutsche Staatsangehörigkeit, das sind 40,8 %Destatis, Strafverfolgung 2024. Die PKS zählte im selben Jahr über zwei Millionen Tatverdächtige. Von der Anzeige bis zum Urteil ist es also ein Trichter: Nicht jede Tat wird aufgeklärt, nicht jeder Verdächtige wird angeklagt, nicht jede Anklage endet mit einer Verurteilung.
Wichtig: Tatverdächtigen- und Verurteiltenzahlen darf man nicht direkt aufeinander rechnen, denn die beiden Statistiken zählen unterschiedlich:
- Viele Verfahren werden eingestellt, bei geringfügigen Taten auch trotz erwiesener Schuld (z. B. gegen Auflagen).
- Die Justiz zählt pro Verfahren nur die schwerste Straftat; dieselbe Person kann in mehreren Verfahren mehrfach auftauchen.
- Die Strafverfolgungsstatistik enthält Straßenverkehrsdelikte (rund ein Viertel aller Verurteilungen), die PKS nicht.
- Zwischen Tat, Ermittlung und rechtskräftigem Urteil liegt oft mehr als ein Jahr; die Jahrgänge decken sich nicht.
Die Strafverfolgungsstatistik ist eine Vollerhebung aller Bundesländer; bundesweit vollständig vergleichbar ist sie seit dem Berichtsjahr 2007. Die Detailtabellen nach Staatsangehörigkeit und Delikt sind frei zugänglichGENESIS 24311-0002.
Wie stehen die Parteien dazu?
Zusammengefasst aus den Wahlprogrammen zur Bundestagswahl 2025, in der Reihenfolge der Sitze im Bundestag (BSW und FDP sind dort nicht vertreten). Jedes Zitat verlinkt das Original-PDF der Partei.
UnionWahlprogramm 2025
Migration und AsylWill die illegale Migration stoppen und die humanitäre Aufnahme begrenzen. Setzt auf Grenzkontrollen mit Zurückweisungen, schnellere Asylverfahren und Verfahren in sicheren Drittstaaten außerhalb Europas.
Wörtliches Zitat
„Wir wollen die illegale Migration stoppen und die humanitären Aufnahmen auf ein Maß beschränken, das die Möglichkeiten Deutschlands nicht länger überfordert.“Wahlprogramm von CDU und CSU 2025, S. 40
AbschiebungenAbgelehnte Asylbewerber sollen das Land verlassen; reisen sie nicht freiwillig aus, soll der Staat die Ausreisepflicht durchsetzen. Fordert mehr Rückführungen, Bundesausreisezentren und regelmäßige Abschiebungen nach Afghanistan und Syrien, vor allem von Straftätern und Gefährdern.
Wörtliches Zitat
„Asylbewerber ohne Schutzberechtigung müssen unser Land wieder verlassen. Wenn dies nicht freiwillig geschieht, muss die Ausreisepflicht staatlich durchgesetzt werden.“Wahlprogramm von CDU und CSU 2025, S. 41
- Migration und Asyl
Will eine Kehrtwende in der Migrationspolitik: nationale Grenzkontrollen mit Zurückweisungen an der Grenze; über Zuwanderung soll allein national entschieden werden. Wer aus einem sicheren Drittstaat einreist, soll in Deutschland kein Asyl erhalten.
Wörtliches Zitat
„Die AfD wird eine deutliche Kehrtwende in der bisherigen Migrationspolitik einleiten und die Staatsgrenzen wieder kontrollieren.“AfD-Bundestagswahlprogramm 2025, S. 100
AbschiebungenFordert eine umfassende Rückführungsoffensive, die sie selbst „Remigration“ nennt: konsequente Abschiebung aller Ausreisepflichtigen, Abschaffung von Bleiberechtsregelungen, Druck auf Herkunftsländer und Förderung der freiwilligen Rückkehr.
Wörtliches Zitat
„Wir werden vollziehbar ausreisepflichtige Personen konsequent abschieben und bestehende Fehlanreize (Bürgergeld, Bleiberechte für Ausreisepflichtige, Turboeinbürgerung) abstellen.“AfD-Bundestagswahlprogramm 2025, S. 101
- Migration und Asyl
Will Migration steuern und ordnen, hält aber am individuellen Recht auf Asyl fest. Setzt auf das Gemeinsame Europäische Asylsystem, schnellere Asylverfahren und einfachere Einwanderung von Fachkräften.
Wörtliches Zitat
„Das individuelle Menschenrecht auf Asyl und das internationale Flüchtlingsrecht sind die Basis für das Gemeinsame Europäische Asylsystem.“SPD-Regierungsprogramm 2025, S. 55
AbschiebungenRückführungen sollen human und konsequent erfolgen; die freiwillige Ausreise hat Vorrang. Bei Verweigerung setzt die SPD auf schnelle Abschiebungen, besonders bei Straftätern. Asylverfahren in Drittstaaten lehnt sie ab.
Wörtliches Zitat
„Rückführungen sollen human und konsequent erfolgen. Freiwillige Ausreisen bevorzugen wir, da sie humaner sind.“SPD-Regierungsprogramm 2025, S. 56
- Migration und Asyl
Verteidigen das Grundrecht auf Asyl und die völkerrechtlichen Verpflichtungen wie die Genfer Flüchtlingskonvention. Wollen zügige, faire Verfahren, erleichterten Familiennachzug und eine gemeinsame europäische Asylpolitik mit solidarischer Verteilung.
Wörtliches Zitat
„Wir verteidigen das Grundrecht auf Asyl und stehen zu unseren völkerrechtlichen Verpflichtungen wie der Genfer Flüchtlingskonvention, dem subsidiären Schutz und der europäischen Menschenrechtskonvention.“Regierungsprogramm 2025 (Bündnis 90/Die Grünen), S. 129
AbschiebungenWer nach Prüfung aller Rechtsmittel kein Aufenthaltsrecht hat, soll zügig ausreisen; die freiwillige Rückkehr hat Vorrang. Abschiebungen in Kriegs- und Krisengebiete lehnen sie ab; ausreisepflichtige schwere Straftäter sollen nach der Haft vorrangig zurückgeführt werden.
Wörtliches Zitat
„Wer nach individueller Prüfung auf asyl- und aufenthaltsrechtliche Voraussetzungen sowie nach Ausschöpfung aller Rechtsmittel kein Aufenthaltsrecht hat und bei dem keine Abschiebungshindernisse entgegenstehen, muss zügig wieder ausreisen. Die freiwillige Rückkehr hat für uns Vorrang.“Regierungsprogramm 2025 (Bündnis 90/Die Grünen), S. 130
LinkeWahlprogramm 2025
Migration und AsylVerteidigt das Recht auf Asyl ohne Einschränkungen und lehnt die bisherigen Asylrechtsverschärfungen ab. Will sichere, legale Fluchtwege und gleiche Rechte für alle Menschen unabhängig von Pass und Herkunft.
Wörtliches Zitat
„Asylrecht ist Menschenrecht. Wir lehnen alle bisherigen Asylrechtsverschärfungen ab.“Wahlprogramm der Linken 2025 (Langfassung), S. 52
AbschiebungenLehnt Abschiebungen ab, insbesondere in Krieg, Verfolgung und Elend. Straftäter sollen ihr Strafverfahren und gegebenenfalls ihre Haftstrafe in Deutschland durchlaufen, unabhängig vom Aufenthaltsstatus.
Wörtliches Zitat
„Abschiebungen, insbesondere in Krieg, Verfolgung und Elend oder als Form der Doppelbestrafung, lehnen wir ab.“Wahlprogramm der Linken 2025 (Langfassung), S. 53
- Migration und Asyl
Verteidigt das Asylrecht für „wirklich Schutzbedürftige“ (eigene Formulierung), will aber die unkontrollierte Einwanderung beenden. Wer aus einem sicheren Drittstaat einreist, soll kein Asylverfahren in Deutschland erhalten; Verfahren sollen möglichst außerhalb der EU stattfinden.
Wörtliches Zitat
„Wir verteidigen das Grundrecht auf Asyl für wirklich Schutzbedürftige. Gleichzeitig wollen wir die unkontrollierte Einwanderung beenden.“BSW-Wahlprogramm 2025, S. 36
AbschiebungenFordert, dass Recht und Gesetz bei Abschiebungen wieder durchgesetzt werden und Ausreisepflichtige das Land schnell verlassen. Zuwanderer, die schwere Straftaten begehen, sollen ausgewiesen und notfalls abgeschoben werden.
Wörtliches Zitat
„Recht und Gesetz müssen bei Abschiebungen endlich wieder durchgesetzt werden.“BSW-Wahlprogramm 2025, S. 37
- Migration und Asyl
Will geordnete Migration nach klaren Regeln: mehr Einwanderung in den Arbeitsmarkt, weniger in die Sozialsysteme. Asylverfahren sollen schneller werden und unter Bedingungen auch in sicheren Drittstaaten stattfinden können.
Wörtliches Zitat
„Wir wollen geordnete Migration nach klaren Regeln, die auch durchgesetzt werden. Wir wollen Einwanderung in den Arbeitsmarkt, nicht in die sozialen Sicherungssysteme.“FDP-Wahlprogramm 2025, S. 26
AbschiebungenWer kein Bleiberecht hat, soll Deutschland unverzüglich verlassen. Weil Rückführungen aus FDP-Sicht zu oft am Vollzug der Bundesländer scheitern, soll der Bund für Abschiebungen zuständig werden.
Wörtliches Zitat
„Wer ohne Bleiberecht hier ist, der muss unverzüglich in seine Heimat zurückkehren. Rückführungen scheitern jedoch zu oft am Vollzug durch die Bundesländer.“FDP-Wahlprogramm 2025, S. 27
Keine Wahlempfehlung: Die Zusammenfassungen geben wieder, was die Parteien selbst in ihren Programmen schreiben. Begriffe in Anführungszeichen sind Eigenformulierungen der Parteien. Die Logos sind Marken der jeweiligen Parteien und dienen nur der Kennzeichnung. Stand: Juli 2026.