Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2025
6.4– T03
Die Unterschiede zwischen den Tatverdächtigenbelastungszahlen für Personen mit und ohne deutscher Staatsangehörigkeit sind erheblich und zeigen sich über ein breites Spektrum von Delikten hinweg. Zwar bildet die Polizeiliche Kriminalstatistik nur das polizeiliche Hellfeld ab, gleichwohl erscheinen die Unterschiede vor dem Hintergrund des wissenschaftlichen Kenntnisstands plausibel und sind aus einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren erklärbar: Ein wesentlicher Risikofaktor für die Begehung von Straftaten, insbesondere für Gewaltdelikte, sind kriminalitäts- bzw. gewaltlegitimierende Einstellungen – also die Haltung, eine Gewalt- oder Straftat zu begehen sei unter bestimmten Bedingungen legitim, nützlich oder sogar Ausdruck von Männlichkeit (Ayano et al., 2024; Dreißigacker et al., 2023; Kroneberg et al., 2025). Solche Einstellungen entstehen im Rahmen der Sozialisation, etwa durch familiäre Prägung. Sie können auch durch das gesellschaftliche Umfeld in Kindheit und Jugend mitbeeinflusst sein. Dunkelfeldstudien weisen darauf hin, dass entsprechende Einstellungen in einigen migrantischen Bevölkerungsgruppen verstärkt anzutreffen sind und daher eine erhöhte Kriminalitätsbelastung zumindest teilweise erklären können (Dreißigacker et al. 2023).
Hinzu kommen weitere Risikofaktoren, denen insbesondere Personen mit Fluchthintergrund besonders ausgesetzt sind. Dazu zählen eigene Gewalterfahrungen, psychische Belastungen und nachteilige Wohn- und Lebensbedingungen, deren Ursachen teilweise bereits im Herkunftsland oder während der Flucht liegen können. Sie stellen zwar keine direkten Ursachen für Straffälligkeit dar, können jedoch das Risiko delinquenten Verhaltens erhöhen (Dreißigacker et al., 2023; Kroneberg et al., 2025; Ayano et al., 2024; Basto-Pereira & Farrington, 2022; Fazel et al., 2018).
Auch die Demografie spielt eine Rolle: In der Bevölkerung ohne deutsche Staatsangehörigkeit ist der Anteil junger Männer höher als in anderen Bevölkerungsgruppen. Diese Gruppe weist generell eine überdurchschnittliche Kriminalitätsbelastung auf.
6.5 Tatverdächtigenbelastungszahl bei „Gewaltkriminalität“
Die TVBZ bei Gewaltkriminalität ist insgesamt im Vergleich zum Vorjahr um -3,8 Prozent auf 228 zurückgegangen. Am deutlichsten war die Abnahme bei den weiblichen Jugendlichen (-13,0 Prozent auf 294). Die Belastung der männlichen Kinder ist hin.
| TVBZ deutsche | TV | TVBZ nichtdeutsche | TV |
|---|---|---|---|
| 1.813 | männlich | 2.686 | 7.031 |
| 987 | weiblich | 2.318 | |
| 1.453 | tatverdächtige Kinder (8 bis unter 14 J.) | 3.469 | |
| 2.016 | männlich | 4.788 | |
| 863 | weiblich | 2.050 | |
| 4.299 | tatverdächtige Jugendliche | 9.946 | |
| 6.118 | männlich | 13.811 | |
| 2.388 | weiblich | 5.261 | |
| 3.936 | tatverdächtige Heranwachsende | 8.803 | |
| 5.762 | männlich | 12.297 | |
| 2.024 | weiblich | 3.966 | |
| 1.648 | tatverdächtige Erwachsene | 4.465 | |
| 2.450 | männlich | 6.601 | |
| 899 | weiblich | 2.143 |
*) Inhaltliche Schlüsseländerung wegen der Teillegalisierung des Besitzes und Anbaus von Cannabis und dessen Zubereitungen ab dem 01.04.2024. Die Vergleichbarkeit mit 2025/2024 ist nicht gegeben.