PKS 2024
7.4– T03
* Inhaltliche Schlüsseländerung wegen der Teillegalisierung des Besitzes und Anbaus von Cannabis und dessen Zubereitungen ab dem 01.04.2024. Die Vergleichbarkeit mit dem Vorjahr ist nicht gegeben.
Der Vergleich der Belastungszahlen für deutsche und nichtdeutsche Tatverdächtige zeigt:
Der Anteil der Personen, die im Berichtsjahr 2024 als Tatverdächtige polizeilich erfasst wurden, ist bei männlichen Nichtdeutschen deutlich höher. Bei der Interpretation dieser unterschiedlichen Tatverdächtigenbelastung bei Deutschen und Nichtdeutschen müssen jedoch mindestens drei Punkte beachtet werden:
- Die PKS erfasst nur Straftaten, von denen die Polizei Kenntnis erlangt hat. Unterschiede in der Belastungszahl deutscher und nichtdeutscher Tatverdächtiger sind daher nicht unmittelbar mit einer tatsächlich unterschiedlichen Kriminalitätsbelastung dieser Bevölkerungsgruppen gleichzusetzen. Insbesondere die Anzeigequote kann hier eine Rolle spielen: Wenn etwa Straftaten unter Beteiligung nichtdeutscher Tatverdächtiger mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zur Anzeige gebracht werden als Straftaten mit deutschen Tatverdächtigten, kann dies ebenfalls zu höheren Belastungszahlen in der PKS führen. Tatsächlich gibt es Forschungsbefunde, die zeigen, dass Straftaten, an denen Personen beteiligt sind, die als „migrantisch“ oder „fremd“ wahrgenommen werden (u.a. Nichtdeutsche), merklich häufiger zur Anzeige gebracht werden.
- Eine erhöhte Kriminalitätsbelastung von Nichtdeutschen bzw. von Menschen mit Migrationsgeschichte findet sich zum Teil auch in Dunkelfeldstudien. Dabei handelt es sich um Befragungen, in denen die Teilnehmenden Auskunft über Straftaten geben, an denen sie beteiligt waren – unabhängig davon, ob diese zur Anzeige gebracht wurden. Die höhere Kriminalitätsbelastung ist durchaus plausibel, da bekannt ist, dass Personen mit Migrationshintergrund tendenziell stärker von Risikofaktoren betroffen sind, die eine Begehung bestimmter Straftaten (bspw. Gewalt- und Eigentumsdelikte) herkunftsunabhängig wahrscheinlicher machen. Dazu zählen neben einer nachteiligen räumlichen und ökonomischen Lebenssituation auch psychische Belastungen, eigene Gewalterfahrungen.
Befunde und weitergehende Erläuterungen zu den nachstehenden Punkten finden sich bspw. bei: Dreißigacker, L., Schröder, C. P., Krieg, Y., Becher, L., Hahnemann, A., & Gröneweg, M. (2023). Jugendliche in Niedersachsen. Ergebnisse des Niedersachsensurveys 2022. Hannover: KfN; Walburg, C. (2023). Expertise Jugenddelinquenz in der Einwanderungsgesellschaft: Ursachen und neuere Entwicklungen. Mediendienst Integration. https://mediendienst-integration.de/fileadmin/Dateien/Expertise_MEDIENDIENST_Jugenddelinquenz.pdf
Tatverdächtige 2024
| Tatverdächtige | deutsche TV | nichtdeutsche TV |
|---|---|---|
| * Tatverdächtige insg. (ohne Kinder unter 8 Jahren) | 1.878 | 5.091 |
| männlich | 2.781 | 7.495 |
| weiblich | 1.024 | 2.441 |
| tatverdächtige Kinder (8 bis unter 14 J.) | 1.500 | 3.650 |
| männlich | 2.002 | 4.899 |
| weiblich | 973 | 2.304 |
| tatverdächtige Jugendliche | 4.692 | 10.811 |
| männlich | 6.481 | 14.958 |
| weiblich | 2.812 | 5.789 |
| tatverdächtige Heranwachsende | 4.318 | 9.721 |
| männlich | 6.342 | 13.851 |
| weiblich | 2.203 | 4.308 |
| tatverdächtige Erwachsene | 1.688 | 4.741 |
| männlich | 2.523 | 7.036 |
| weiblich | 910 | 2.234 |